Mittwoch, 28. Oktober 2015

NATHANIEL UND VICTORIA, BAND 1: UNTER GOLDENEN SCHWINGEN

Titel: Nathaniel und Victoria, Band 1: Unter goldenen Schwingen
AutorIn: Natalie Luca
Verlag: Impress
Erscheinungsdatum: 2013
Umfang: 355 Seiten

Ein Auto zum achtzehnten Geburtstag, aber keine Zeit, mit ihr zu feiern? Victoria ist maßlos enttäuscht von ihrem Vater, vor allem, weil es ihr erster Geburtstag seit dem Tod ihrer Mutter ist. Also steigt sie in den neuen Wagen und setzt ihn bei strömendem Regen prompt gegen eine Friedhofsmauer. Merkwürdigerweise bekommt sie dabei nicht den kleinsten Kratzer ab. Und noch merkwürdiger ist, dass niemand den blonden jungen Mann gesehen haben will, der sie aus dem Autowrack befreit hat. Sollte das etwa tatsächlich ein Schutzengel gewesen sein? Victoria muss der Sache unbedingt auf den Grund gehen und ihn wiedersehen…

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Die Heldin Victoria hat zu Beginn der Geschichte mit schwierigen Gefühlen zu kämpfen: Ihre Mutter ist vor kurzem gestorben, der Vater flüchtet sich in Arbeit. Ihre beste Freundin ist zwar für sie da, doch Victoria lässt sie nicht so wirklich an sich heran. Da tritt auf einmal ihr Schutzengel Nathaniel in ihr Leben.

Ich persönlich finde Nathaniel als Helden ein bisschen eindimensional – aber das liegt in der Natur der Sache. Er ist ein Schutzengel. Es ist also kein Wunder, dass er strahlend schön, stark und immer um Victoria besorgt ist. Zu Beginn der Geschichte steckt Victoria tief in einem Sumpf aus negativen Emotionen. Sie braucht diese Lichtgestalt, um wieder glücklich zu werden. Die beiden sind buchstäblich füreinander geschaffen. Was Victoria fühlt, das fühlt auch Nathaniel. Wer jetzt allerdings glaubt, dass es keine Spannungen zwischen den beiden gibt, der irrt. Die Autorin hat sich einige sehr ausgeklügelte Dinge einfallen lassen, um ihr Glück ständig in Gefahr zu bringen.

„Kann ich dir etwas anbieten? Tee? Manieren?“ (Kapitel „Eine unwahrscheinliche Theorie“)

Die Nebenfiguren sind gut ausgearbeitet und spielen alle eine wichtige Rolle. Den herrlich kauzigen Friedshofswärter Kraster habe ich besonders ins Herz geschlossen. Der Antagonist, ein Dämon namens Lazarus, wird sehr eindrücklich beschrieben, gleichzeitig schön und schauerlich. Hier hätte ich mich über ein wenig mehr Hintergrundgeschichte gefreut. Vielleicht beschäftigen sich die nächsten Bände ja noch tiefer mit Lazarus’ Motivation.

Die Hintergrundinformationen zu den Engeln und ihren besonderen Kräften bekommt der Leser in kleinen Happen, was ich als sehr angenehm empfinde. Am Ende der Geschichte hat man ein recht klares Bild von Erde, Himmel und Hölle. Manche Aspekte der „Magie“ sind ein bisschen vage, weil sie auf Intuition und Gefühlen basieren, aber in sich ist das System schlüssig. Ich muss allerdings zugeben, dass ich es ein wenig grausam finde, dass Menschen ihren Engel explizit um Hilfe bitten müssen, bevor sie diese bekommen können. Bedeutet das nicht im Umkehrschluss, dass alle, die das versäumt haben, „selbst schuld sind“ an ihrem Unglück? Auch hier hoffe ich, dass in den Folgebänden noch mehr über die Kräfte der Engel gesagt wird. Mit einem Aspekt der Geschichte werde ich jedoch nicht warm: Nathaniel kann die Gedanken seines Schützlings lesen, und Victoria kann sich dagegen nicht wehren. Uneingeschränktes Gedankenlesen finde ich in jedem Fantasybuch unangenehm. Mir persönlich geht es einfach zu weit, wenn eine Figur nicht einmal mehr in ihrem Kopf frei ist. In dieser Konstellation war die Kraft glaubwürdig und auch für den Plot wichtig – trotzdem ist es ein Element, das ich in keinem Fantasybuch wirklich mag.

Der Roman ist flüssig geschrieben, die Dialoge sind lebensecht und stellenweise wirklich witzig. Besonders ulkig ist der Moment, in dem Victoria fälschlicherweise glaubt, dass ihr Lehrer Herr Wagner so eine Art geheimer Mentor ist, ähnlich wie Giles aus Buffy.

Fazit

Ein gelungenes Debüt, das Lust auf mehr macht. Der erste Teil lässt bereits erahnen, dass Nathaniel und Victoria noch viele Hindernisse zwischen Himmel und Hölle überwinden müssen, damit ihre Liebe eine Chance hat.


Der Kellner empfiehlt

Pfefferminztee, weil Victoria den bei Kraster serviert bekommt. Aber mit einer ordentlichen Portion Zucker für die süße Geschichte. Dazu goldene Butterplätzchen.


Wertung


1 Kommentar: 1

  1. Huhu,

    ich schon wieder :D

    Ich habe alle 5 Bänder in einem Rutsch gelesen und muss sagen, dass mir die Reihe richtig gut gefallt. Es gibt definitiv eine Steigerung :)


    Liebe Grüße
    Mii von Mii's Bücherwelt

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