Freitag, 6. November 2015

RAINBOWLAND - DAS GEHEIMNIS DER SIEBEN WELTEN BAND 1

Titel: Rainbowland - Das Geheimnis der sieben Welten Band 1
AutorIn: Johanna Wasser
Verlag: Petit Coeur Verlag
Erscheinungsjahr: 2015
Umfang: 324 Seiten

Wenn ein einziger Kuss tödlich sein könnte – würdest du dich verlieben?
Für Annie stürzt eine Welt zusammen, als ihr kleiner Bruder nach einer Operation nicht erwacht. Doch sie findet einen Weg, zu ihm zu gelangen – in ihren Träumen. Nacht für Nacht sucht sie nach ihm und bekommt dabei unerwartet Hilfe von einem Unbekannten. Annie traut ihren Augen kaum, als sich ihr neuer Mitschüler ausgerechnet als der Fremde entpuppt.
Doch warum geht er ihr aus dem Weg, obwohl er sie in den Träumen fast küsst?

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Vor einigen Jahren habe ich einmal versucht, meine Träume zu kontrollieren. Man nennt das Verfahren Lucid Dreaming. Leider habe ich die Rechnung nicht mit meinem löchrigen Kurzzeitgedächtnis gemacht. Meistens vergesse ich Träume kurz nach dem Aufstehen. Aber es gibt Leute, die sich nicht nur täglich an ihre Träume erinnern, sondern die es auch fertig bringen, in ihre Träume einzugreifen. Manche schaffen es sogar, im Traum plötzlich abzuheben und wie ein Vogel dahinzugleiten.

Ähnliches versucht die Heldin Annie in Johanna Wassers Roman Rainbowland. Ihr geht es aber nicht darum, durch fantastische Traumwelten zu fliegen. Annies ganzes Leben wird bestimmt von einer persönlichen Katastrophe. Nachdem sie ihrem jüngeren Bruder Max eine Niere gespendet hat, wacht der Kleine nicht mehr aus dem Koma auf. Annie besucht ihn jeden Tag im Krankenhaus, liest ihm vor und schläft darüber ein. Jede Nacht findet sie sich wieder in einem rätselhaften Turm. Bis eines Tages Lio in ihren Träumen auftaucht, der gleiche geheimnisvolle Junge, der auch seit kurzem auf ihre Schule geht. Gemeinsam versuchen sie, Max in der Traumwelt, in Rainbowland, zu finden. Je tiefer sie in das Rainbowland – übrigens nur eine von insgesamt sieben Welten – eindringen, umso mehr erfährt Annie über Lios wahre Identität. Denn eines ist klar – ein ganz normaler Junge ist er nicht.

Seine Locken wirkten noch wilder auf mich. Sie standen in alle Richtungen ab und schauten wie neugierige Kinder. (Kapitel 45)

Träume sind ja selten logische, ausformulierte Geschichten, sondern meistens eher konfuse, kurze Augenblicke. Johanna Wasser traut sich in ihrem Roman, genau auf diese Eigenschaft zurückzugreifen. Ihr Roman besteht aus 77 sehr kurzen Kapiteln, die mal in unserer echten Welt, mal in einer Parallelwelt spielen. Zeit, Figuren und Handlungsorte werden durcheinandergewürfelt. Ich persönlich fand das für diese Geschichte sehr passend, aber es macht das Lesen nicht gerade einfacher. Erstens dauert es eine Weile, bis man sich im Roman zurechtfindet, und zweitens kann es passieren, dass man nach größeren Lesepausen bereits einiges vergessen hat und dem Plot nicht mehr mühelos folgen kann. Eines passiert aber bei dieser innovativen Erzählweise sicher nicht – es wird nicht langweilig. Die Art, wie die Geschichte erzählt wird, hat mich oft eher an einen Film erinnert, so als würden Momentaufnahmen vor meinem inneren Auge vorbeiziehen.

Neben der ungewöhnlichen Erzählweise hat der Roman auch mehrere originelle Ideen auf Lager. Eine der interessantesten Nebenfiguren ist beispielsweise ein lebender Efeubusch. Die Protagonistin Annie ist hingegen einfach nur ein normales Teenagermädchen, was ich ebenfalls erfrischend fand. Der mysteriöse Held Lio erzählt zwar häufig Details aus seiner Kindheit, aber von seiner momentanen Seelenverfassung hätte ich gern mehr mitbekommen. Er wirkt oft recht abwesend und undurchschaubar. Ich konnte Annies Faszination für ihn sehr gut nachvollziehen, aber mir wurde nicht so ganz klar, woher seine Zuneigung eigentlich rührt.

Gegen Ende des Buches bekommen die Leser mehr und mehr Informationen über die großen Zusammenhänge. Ich muss zugeben, dass es mir am Ende dann doch etwas zu schnell ging. Wer genau ist diese Violett und warum begleitet sie die Annie und Lio plötzlich? Gegen einen spannenden Cliffhanger am Ende eines ersten Teils habe ich normalerweise nichts einzuwenden, aber in diesem Roman war es dann doch sehr schnell vorbei. Vielleicht ist das aber auch nur konsequent. Wer kennt das nicht, dass man genau an der Stelle aufwacht, wo der Traum am spannendsten war?

Fazit

Durch die ungewöhnliche Erzählweise ist dieser Roman wahrscheinlich nicht jedermanns Sache. Meiner Meinung nach lohnt sich das Lesen aber auf alle Fälle. Schon allein deswegen, weil man als Leser nie so genau weiß, was in der nächsten Szene alles möglich ist. Die Schauplätze sind märchenhaft, die fremden Wesen originell, die Figuren sympathisch.


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Lindenblütentee und Kirschjoghurt.


Wertung


Kommentare: 2

  1. Hi,

    ich fand das Cover ja schon immer klasse. Und da sich deine Rezi gut anhört, schubbs ich es jetzt mal auf die Wuli =)

    Lg
    Micha

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    1. Hallo Micha,

      das freut mich. Viel Spaß mit Annie und Lio!

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