Montag, 15. Februar 2016

KUSHIEL - DIE ERLÖSUNG (DIE KUSHIEL 3)

Titel: Kushiel – Die Erlösung (Die Kushiel 3)
Kushiel's Avatar
AutorIn: Jacqueline Carey / Übersetzer Wolfgang Thon
Verlag: Heyne (original Tor Books)
Erscheinungsjahr: dt. 2010, original 2003
Umfang: 915 Seiten

Magisch, düster und unbeschreiblich erotisch...
Zehn Jahre sind vergangen, und noch immer sucht Phèdre eine Möglichkeit, ihren Jugendfreund Hyacinthe aus der Gefangenschaft zu befreien. Eine neue Spur führt sie und ihren Geliebten Joscelin schließlich in ein geheimnisvolles, von der Welt vergessenes Land. Die düstere Macht, auf die sie dort trifft, ist so erschreckend, dass niemand es wagt, ihren Namen auszusprechen …

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Wir kennen das alle. Man beginnt einen Roman, sagen wir mal, einen letzten Band in einer Reihe. Man erwartet ein fulminantes Finale. Klar, vorher muss man sich meistens durch 200-400 Seiten wühlen, aber dann kommt das Feuerwerk am Ende. Eine langweilige Mitte nimmt man da gern in Kauf. Bei diesem Buch ist es genau anders herum. Die Mitte ist so eindrücklich, dass das Ende dagegen wie ein Kindergeburtstag anmutet. Aber der Reihe nach.

Zehn Jahre nach den Ereignissen von Kushiel 2 – Der Verrat hat Phèdre noch immer nicht aufgegeben. Sie will eine Möglichkeit finden, Hyacinthe zu erlösen. Doch nach zehn Jahren mühevoller Suche hat sie nur einen kleinen Anhaltspunkt, eine winzige Hoffnung gefunden: Der Engel, der Hyacinthe verbannt hat, könnte vertrieben werden durch den wahren Namen Gottes. Doch dieser ist seit Jahrtausenden verschollen. Abgesehen von dieser bisher erfolglosen Suche verläuft ihr Leben in geregelten Bahnen. Auch mit ihrem Geliebten Joscelin hat sie sich inzwischen versöhnt. Beide haben eine Möglichkeit gefunden, gemeinsam zu leben, obwohl sie doch so grundverschieden sind. Doch als eines Tages ein Brief von Melisande eintrifft, begibt sich Phèdre auf ein neues Abenteuer.

There are people who say women are the gentler sex. They would not say it if they had been there the night Daršanga fell.

Die Suche nach Melisandes verschwundenem Sohn Imriel führt Phèdre in diesem Band in die fiktiven Versionen von Nordafrika, der arabischen Halbinsel, dem Iran und Azerabaijan, bevor sie wieder zurück auf den afrikanischen Kontinent reist, bis zur Fantasy-Version des Victoriasees. Ähnlich wie im Vorgänger besteht auch in diesem Roman die erste Hälfte aus einer spannenden Quest, deren Reiz nicht zuletzt in der Beschreibung der Länder und Kulturen liegt, die Phèdre kennenlernt.

Dieses Buch unterscheidet sich in zweierlei Hinsicht von den Vorgängern. Zunächst einmal ist es keine menschliche Intrige, die dafür sorgt, dass unsere Helden sich auf den Weg machen. Die Götter selbst lenken Phèdre, die sowohl Kushiel als auch Naamah, dem Gott des Schmerzes und der Göttin der Liebe, geweiht ist. Das gefiel mir beim Lesen sehr gut. In Band 1 und 2 wurde ja schon immer wieder einmal angedeutet, welche Macht die Götter in dieser Geschichte haben. Im Finale zeigt sich nun, wie groß ihr Einfluss tatsächlich ist, ohne dass sie selbst auftreten müssten.

Der andere Aspekt, der in diesem Buch besonders ist, ist die Mitte. Auf der Suche nach Imriel begeben sich Phèdre und Joscelin nach Daršanga, einem abgelegenen Königreich am kaspischen Meer, das seit Jahren von der Außenwelt abgeschieden lebt. Besser gesagt, die Außenwelt meidet Daršanga. Der Grund? Die Priester haben ihren eigenen Göttern abgeschworen, eine Art Todeskult gegründet und ihr Herrscher ist schlichtweg wahnsinnig. Auf der ganzen Welt stehlen seine Priester Frauen und Kinder, um sie in seinem Harem einzusperren. Diese Buchreihe ist bisher nicht zimperlich mit Sexualität umgegangen, aber bis zu diesem Zeitpunkt wurden immer respektvolle Begegnungen zwischen Menschen beschrieben, die sich freiwillig darauf einlassen. In diesen 150 Seiten ist das nicht so. Wer Das Lied von Eis und Feuer vertragen hat, der schafft auch diesen Abschnitt, aber ich möchte an dieser Stelle eine explizite Warnung aussprechen. Frauen und Kinder werden in Daršanga abscheulich behandelt. Was mich persönlich an diesem grauenvollen Abschnitt am meisten beeindruckt hat, war die Art und Weise, wie die Schreckensherrschaft beendet wird.

Die Episode in Daršanga hat mich emotional so stark mitgenommen, dass das restliche Buch geradezu wie ein Frühlingsspaziergang wirkte. Wir reden hier von 300 Seiten, der Suche nach der Bundeslade und einem Kampf gegen einen Engel. Für mich war diese Dramaturgie ungewohnt, aber auch Phèdre bemerkt im Buch mehrmals: schlimmer als Daršanga kann es nicht mehr werden. Und am Ende siegt die Liebe. Wir sind schließlich in Terre d‘Ange.

Fazit

Trotz ungewohnter Dramaturgie ist Kushiel – Die Erlösung ein gelungener Abschluss dieser außergewöhnlichen Trilogie. Alles, was in den Bänden davor bereits vorhanden war, wird hier noch einmal gesteigert. Das gilt auch für den Anteil an Gewalt – wer sich damit unwohl fühlt, sollte von diesem Buch lieber die Finger lassen.


Der Kellner empfiehlt

Datteln und herben Minztee. Während der etwa 150 Seiten in der Mitte des Buches am besten nichts zu sich nehmen, es könnte einem den Magen umdrehen.


Wertung


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