Montag, 2. Mai 2016

OUTLANDER

Titel: Outlander. A Novel.
Dt. Titel: Outlander. Feuer und Stein
AutorIn: Diana Gabaldon
Verlag: Cornerstone Digital (31. August 2011) / dt. Übersetzung bei Knaur
Erscheinungsjahr: 2011 / Erstausgabe 1991
Umfang: 868 Seiten (engl.)

1946, and Claire Randall goes to the Scottish Highlands with her husband Frank. But one afternoon, Claire walks through a circle of standing stones and vanishes into 1743 [...]. She falls into the hands of a gang of Scottish outlaws, and finds herself a Sassenach - an outlander - in danger from both Jacobites and Redcoats.
Marooned amid danger, passion and violence, her only chance of safety lies in Jamie Fraser, a gallant young Scots warrior. What begins in compulsion becomes urgent need, and Claire finds herself torn between two very different men, in two irreconcilable lives.

Neugierig? Outlander auf Amazon kaufen

Outlander ist eines dieser Bücher, das man einfach gelesen haben muss, dachte ich mir, als ich mir den Wälzer vor drei Wochen endlich vornahm. Dank der Verfilmung wurde das Buch ja auch in den Medien wieder aus der Mottenkiste geholt. Verständlich, wenn man bedenkt, was dieser wahre Klopper an einem Buch alles bereithält: Schottland im 18. Jahrhundert. Wildromantische Highlands. Die Engländer, eine Bedrohung, die ständig am Horizont lauert. Rothaarige, gut gebaute junge Männer in Kilts. What's not to like?

Das Buch hat mich vom ersten Moment an in seinen Bann gezogen. Gut, es mag auch daran gelegen haben, dass ich ungefähr die Hälfte während meines Urlaubs in Irland (*hust*) gelesen habe, aber gut. Vor allem die Heldin war mir sehr sympatisch. Für ihre Zeit hat sie ein recht freches Mundwerk, ist selbstständig und hat einen starken Willen. Noch sympatischer war mir allerdings Jamie. Bad Boys haben ja ihre Berechtigung, aber es war schön, einmal von einem Helden zu lesen, der in erster Linie ein netter Typ ist. Sicher, Jamie hat auch seine Momente, in denen er das Alphamännchen markieren will - aber der Leserin ist klar, dass Claire sich von solchen Allüren nicht unterkriegen lässt. Die erste Liebesszene zwischen den beiden fand ich herzerwärmend - endlich einmal war der Mann derjenige, der naiv ins Ehebett kam. Die Liebesszenen waren insgesamt großartig geschrieben (und es gibt VIELE davon). Zärtlich, wild, tröstend, heiß - aus der ganzen Palette dessen, was zwei Menschen miteinander anstellen können, wird hier berichtet.

I turned towards him. "I don't hate you." "I don't hate you, either. And there's many good marriages have started wi' less than that."

Das Buch hat mich in zweierlei Hinsicht überrascht. Zunächst einmal habe ich mich die ganzen 800 Seiten gut unterhalten gefühlt, obwohl dem Roman etwas fehlt, worauf ich normalerweise viel Wert lege: eine stringente Handlung. Ich verstehe jetzt, warum man das Buch als Serie verfilmt hat. Einen großen Spannungsbogen habe ich nicht erkennen können, stattdessen mäandert die Story gemeinsam mit Claire und Jamie durch die Highlands. Üblicherweise nervt mich sowas, aber die beiden Figuren hatten mich so fasziniert, dass ich bei der Stange blieb.

Die zweite Überraschung war eine spezielle Szene, die mich in einem anderen Buch wahrscheinlich dazu veranlasst hätte, mit dem Lesen aufzuhören. In diesem Roman war der Drang, weiterzulesen, aber größer. Konkret ist das die Szene, in der Jamie Claire schlägt. Gewalt in der Ehe ist historisch gesehen ein Fakt. Claire wehrt sich dagegen. Ich verstehe im Nachhinein nicht, warum die Autorin sich trotzdem entschieden hat, dass Jamie es tut. Hätte seine Figur an Glaubwürdigkeit verloren, wenn er es gelassen hätte? Meiner Meinung nach nicht. Damit wir uns nicht falsch verstehen - das Buch propagiert keineswegs, dass Gewalt in der Ehe okay ist, im Gegenteil! Dennoch - ich verstehe nicht wirklich, warum diese Szene so ausgehen musste. Normalerweise würde ich für eine solche Szene ein Herzchen Abzug geben, aber der positive Leseeindruck insgesamt überwiegt dann doch so stark, dass es fünf Herzen geworden sind.

Bei den vielen Nebenfiguren habe ich auch schnell den Überblick verloren. Viele tauchten nur für ein Kapitel auf, um dann wieder zu verschwinden. Obwohl ich verhältnismäßig wenig Zeit mit ihnen verbracht habe (gemessen an den 800 Seiten), waren sie allesamt lebendig und interessant. Die schottische Aussprache im englischen Original hat mir gut gefallen. Der eine oder andere witzige Spruch hat die rasanten Ereignisse immer wieder aufgelockert. Ebenfalls gelungen fand ich den Umgang mit Zeitreisen. Da reitet man sich als Autor ja gern einmal in Erklärungsnot, sofern man keinen Doktor in theoretischer Physik hat. Die Autorin hat das gut gelöst - Claire weiß nichts darüber, deswegen kann sie nur berichten, wie sich die Zeitreise anfühlt. Die Mechanik dahinter bleibt aber sowohl ihr als auch dem Leser verborgen, was nicht weiter stört. Claire hat alle Hände voll zu tun mit der Vergangenheit, in die sie gestolpert ist.

Fazit

Outlander besticht vor allem durch Abwechslung. Auch wenn die Geschichte eher ziellos daherkommt, bescheren einem die liebenswerten Charaktere, die schönen Schauplätze und die bunte Mischung aus Action, Dramatik und heißen Liebesszenen ein tolles Leservergnügen! Auch wenn der Roman ein paar kleine Schwächen hat, mein Gesamteindruck ist sehr gut.


Der Kellner empfiehlt

Whisky natürlich! Und für Jamie ein großes Stück gebratenes Fleisch (alles, solang es keine Suppe ist)


Wertung


Keine Kommentare: 0

Kommentar veröffentlichen