Sonntag, 16. Oktober 2016

HARRY POTTER AND THE CURSED CHILD (SPECIAL REHEARSAL EDITION SCRIPT)

Titel: Harry Potter and the Cursed Child
AutorIn: J.K. Rowling
John Tiffany
Jack Thorne
Verlag: Little, Brown
Erscheinungsjahr: 2016
Umfang: 343 Seiten

Based on an original new story by J.K. Rowling, John Tiffany and Jack Thorne, a new play by Jack Thorne, Harry Potter and the Cursed Child is the eighth story in the Harry Potter series and the first official Harry Potter story to be presented on stage. The play will receive its world premiere in London's West End on 30th July 2016. It was always difficult being Harry Potter and it isn't much easier now that he is an overworked employee of the Ministry of Magic, a husband, and father of three school-age children. While Harry grapples with a past that refuses to stay where it belongs, his youngest son Albus must struggle with the weight of a family legacy he never wanted. As past and present fuse ominously, both father and son learn the uncomfortable truth: sometimes, darkness comes from unexpected places.

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Eigentlich ist "Schnulzen & Schwerter" ein Blog über Genre-Liebesromane. Ein All-Age-Theaterstück hat da kaum was zu suchen ... aber ich will diesmal eine Ausnahme machen. Wie wohl so ziemlich jeder Büchernarr meiner Generation bin ich ein riesiger Potter-Nerd und musste dieses Buch einfach lesen. Gestern Nachmittag in einem Rutsch, um genau zu sein. Ich habe versucht, meine Erwartungen daran möglichst gering zu halten. Enttäuscht wurde ich nicht, aber auch nicht großartig überrascht. Achtung - MASSIVE SPOILER AB HIER!

Im Laufe meines Lebens (und Literaturstudiums) habe ich schon einige Theaterstücke gelesen. Es ist trotzdem jedes Mal eine Umgewöhnung. Erschwerend kommt dazu, dass knackiger Dialog meiner Meinung nach (*geht vorsichtshalber schonmal in Deckung*) nicht gerade das Forte von J.K. Rowling sind. So gesehen habe ich mich gefragt, warum ausgerechnet das Medium Theater gewählt wurde, um diese Geschichte zu erzählen. Es ist ja nicht so, als hätte J. K. nicht auch die Möglichkeit gehabt, einen Roman oder einen Film daraus zu machen. Theater ist ja purer Dialog, und das ist, wie gesagt, meiner Meinung nach keine große Stärke der Autorin. Was sie hingegen unfassbar gut kann sind zwei Dinge: Worldbuilding und wasserdichte Plots. Sogar in diesem sehr spartanischen Theaterstück habe ich mich in eine Welt versetzt gefühlt, die atmet und lebt. Ein Ticket zurück nach Hogwarts. Zugegeben, ich frage mich, ob ich diesen Eindruck auch dann gehabt hätte, wenn ich die Harry Potter Reihe nicht über Jahre hinweg von vorn nach hinten gelesen hätte. Aber nun gut, ich hatte ihn auf jeden Fall dieses Mal. Ob der Plot ganz wasserdicht war ... bei Zeitreisegeschichten ist das ja immer so eine Sache. Ich denke, ich müsste es noch einmal genau lesen, um das beurteilen zu können (z. B. habe ich mich gefragt, warum Draco am Ende des Stücks plötzlich mit einem zweiten Time Turner ankommt. Seit wann hat er den? Warum hat er so lang gewartet, bevor er den anderen davon erzählt hat?)

Scorpius: Come on mate, if there's one thing we're good at, it's knowing where we're not wanted. (Act One, Scene Fourteen)

Ich will mich jetzt mal auf die Dinge konzentrieren, die mich positiv überrascht haben. Meine Lieblingsfigur ist zweifelsohne Scorpius. Wer hätte gedacht, dass Draco Malfoy, nach allem, was das Leben ihm an den Kopf geschmissen hat, mal so einen großartigen Sohn hervorbringen würde. Eine wirklich lustige Überraschung war die Trolley Witch im Hogwarts Express. Außerdem hat mir gut gefallen, dass Hogwarts einmal aus einer anderen Perspektive gesehen wird: von Kindern, die nicht gern zur Schule gehen, die Außenseiter sind. Harry war zwar auch ein Außenseiter, aber trotzdem war die Schule sein ein und alles. Überhaupt fand ich das zugrundeliegende Thema spannend: Wie ist es, Harry Potters Sohn zu sein?

Unnötig und übertrieben fand ich die ganze Storyline um Delphi. Die Konstellation Harry-Albus war meiner Meinung nach konfliktreich genug. Warum musste Voldemort da noch einmal ins Spiel gebracht werden? Diese große Bedrohung fand ich persönlich weniger bedrohlich und berührend als die innerfamiliären Konflikte, obwohl im Grunde genommen das Schicksal der Welt auf dem Spiel stand. Gerade das Theater eignet sich meiner Meinung nach eher dazu, die kleinen zwischenmenschlichen Katastrophen darzustellen.

Womit wir zum letzten Punkt kommen: Ich glaube, so, wie ich die Geschichte mitbekommen habe, ist sie nicht gedacht. Mein Eindruck wäre sicher vollkommen anders, wenn ich das Stück auf der Bühne gesehen hätte. Die Figuren hätten sicher nicht so platt gewirkt, der Plot nicht so gehetzt und die Schauplätze nicht so leer. Ich kenne beispielsweise Jamie Parker, den Darsteller des erwachsenen Harry, aus anderen Fernsehserien, und halte ihn für einen großartigen Schauspieler. Mit ihm in dieser Rolle hätte der erwachsene Harry vielleicht runder auf mich gewirkt. Ein Script ist nur ein winziger Teil einer Theaterproduktion. Daher fällt es mir sehr schwer, diesen Titel zu bewerten. Ich habe das Gefühl, nur einen Bruchteil der Geschichte erlebt zu haben. Dieser Bruchteil bekommt von mir daher gute 3 Sterne. Sollte ich irgendwann einmal die Aufführung sehen können (ich gehe mal davon aus, dass sie aufgezeichnet wird?), kann ich die Story noch einmal neu bewerten.

Fazit

Ehrlich gesagt hat sich das Script gelesen wie eine wirklich gute Harry Potter Fanfic. Manche Handlungsstränge haben mir gut gefallen, andere (besonders alles, was mit Delphi zu tun hatte) weniger. Insgesamt gute drei Herzchen.


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Wertung


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