Donnerstag, 3. November 2016

WOLFSFLUCH (IM SCHATTEN DER TODESSTEINE 1)

Titel: Wolfsfluch (Im Schatten der Todessteine 1)
AutorIn: Alice Camden
Verlag: dead soft
Erscheinungsjahr: 2015
Umfang: 265 Seiten

Beim Beerensuchen im Wald fällt der junge Heiler Jannis dem Wolfswandler Talin vor die Füße. Jannis ist zunächst verärgert, dann empört über die herablassende Art des Valaners. Trotzdem lädt er Talin zu sich ein. Und später in der Nacht gewährt er sogar dem Wolf einen Unterschlupf, obwohl er sich zunächst nicht sicher ist, tatsächlich den Valaner vor sich zu haben. Bald erfährt Jannis auch von Talins Geheimnis – der junge Valaner ist in Lebensgefahr, denn auf ihm lastet ein tödlicher Fluch. Nur mit Hilfe mächtiger Magie kann der Bann gebrochen werden. Doch ist Jannis bereit, Talin auf seinem schwierigen Weg zu begleiten? Und was sind das nur für seltsame Gefühle, die der Valaner in ihm auslöst?

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Mein letzter Leseausflug in homosexuelle Liebesgeschichten liegt schon eine Weile zurück (es war die sehr empfehlenswerte lesbische Romanze "Tipping the Velvet" von Sarah Water). Also höchste Zeit, einmal wieder Gay Romance zu lesen! Als Jugendliche habe ich ja, wie viele in meiner Generation, mit Vorliebe Slash Fanfic gelesen. Heute komme ich nicht mehr wirklich dazu, aber eine gewisse Faszination für dieses Genre habe ich nach wie vor. Gut, dass es inzwischen eine so vielfältige Auswahl in diesem Bereich gibt. Meine Wahl fiel auf Wolfsfluch von Alice Camden, das erste Buch der Reihe Im Schatten der Todessteine.

Die Geschichte entführt uns in eine mittelalterlich angehauchte Fantasywelt, die von Figuren bewohnt wird, wie wir sie aus der guten alten High Fantasy kennen: Heiler, Prinzen, Dämonen, Priester. Nicht überragend exotisch, aber das ist auch gar nicht nötig. Ich persönlich habe mich in diese Welt jedenfalls schnell eingefunden. Der Roman erzählt die Geschichte von Jannis, einem jungen Heiler aus Grüntal, und Talin, einem Prinzen aus Valan, auf dem ein Fluch lastet.

"Heißt das…?" Talins Frage klang mehr als unsicher. "Ja, Prinz aller hölzernen Klötze und Hauptmann der Selbstsucht, das heißt es wohl", zischte Jannis […]. (Kapitel 17)

Interessant fand ich die Idee der verschiedenen Umgänge mit Homosexualität. Während sie in Valan völlig normal ist, ist sie in Grüntal verboten. Das führt dazu, dass Talin den jungen Grüntaler recht häufig berührt, was für jenen jedoch erst einmal fremdartig ist. Hier gab es ein paar Stellen, wo es mich ein wenig gestört hat, dass Talin nicht erst nachfragt, bevor er den jungen Mann anfässt. Normalerweise mag ich das nicht, aber hier gab es eine schlüssige Erklärung dafür: als Valaner versteht Talin nicht recht, dass es kulturelle Unterschiede zwischen ihnen gibt. Später wird er rücksichtsvoller, als ihm klar wird, dass Jannis von dieser großen Nähe erst einmal überfordert ist, und bevor es richtig "zur Sache" geht, fragt er ihn auch immer vorher, ob sein junger Gefährte das wirklich will. Die Liebesgeschichte fand ich, von den anfänglichen Holprigkeiten abgesehen, insgesamt stimmig. Die beiden passen gut zueinander, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht. Die erotischen Szenen waren geschmackvoll und einfühlsam beschrieben.

Der Plot ist stellenweise etwas mäandernd. Mir war nicht immer klar, wo die Geschichte hingehen soll, einige Szenen wiederholten sich auch.

Richtig gut gelungen fand ich die Dialoge im Allgemeinen. Die Figuren verfallen oft in einen neckenden Tonfall, der mich gut unterhalten hat. Schön fand ich auch, dass die Sprache sich an der fantastischen Welt orientiert hat. So gab es z. B. eigens erfundene Redensarten, die sich immer wieder auf die zahlreichen Höllen dieser Welt bezogen haben. Witzig fand ich auch die verschiedenen Spitznamen, die sich Jannis für seinen Gefährten Talin ausgedacht hat, etwa das sehr zutreffende "Prinz Selbstmitleid."

Fazit

Gelungenes Debüt, das Lust auf mehr macht. Sympathische Charaktere und witzige Dialoge.


Der Kellner empfiehlt

Haferbrei, wobei sich Jannis sicher über ein paar frische Beeren darin freuen würde; für Talin ein saftiges Steak und für beide einen großen Becher Met


Wertung


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